Soziale Ungleichheiten zwischen Bildung und Arbeit – Der Fall der französischen Lehrlingsausbildung [E]
Prisca KergoatMit einer Zunahme von fast 70% in 20 Jahren konnte der Rückgang der Lehrlingsausbildung in Frankreich aufgehalten werden. Die im Rahmen der Reform von 1987 getroffenen Massnahmen hatten zum Zweck, duale Ausbildungswege gegenüber der allgemeinen Bildung aufzuwerten. Diese Reform sollte den Zugang zu erwerbsförmiger Arbeit fördern und gleichzeitig soziale Ungleichheiten abbauen helfen. Doch dieses letztgenannte Ziel ist noch lange nicht erreicht. Die Reform der Lehrlingsausbildung, die insbesondere durch die Politik der Großunternehmen vorangebracht wurde, rekonfiguriert traditionelle Hierarchien indem sie zwei Formen von Ungleichheit – die durch das Bildungssystem sowie die durch die Arbeitswelt erzeugte – kumuliert. Nicht nur wurden der Hierarchisierungsprozess und der selektive Zugang legitimiert; beide Prozesse haben sich darüber hinaus verstärkt, indem sie sich in das Vorfeld der Berufsausbildung verschoben haben.
Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 36 (1), 2010, 53-72