Bilanzierung oder Rechtfertigung? Was Urteile von Probanden zum Ausbildungsnutzen bedeuten – Eine akteurtheoretische Kritik evaluativer Berufsbildungsforschung [D]

Ursula Beicht und Joachim Gerd Ulrich

In der evaluativen Berufsbildungsforschung werden Aus- und Weiterbildungsabsolventen häufig zum Nutzen ihrer Bildungsteilnahme befragt. Der Beitrag untersucht aus einer akteurtheoretischen Perspektive, welche Funktionen solche retrospektiven Nutzenurteile für die Probanden besitzen und in welchem Ausmaß die Urteile mit intersubjektiv überprüfbaren Wirkungen der Bildungsteilnahme korrespondieren. Anhand einer Stichprobe von rund 1700 Berufsausbildungsabsolventen wird aufgezeigt, dass die Probanden die Nutzeneinschätzungen nicht allein als Evaluationen des besuchten Bildungsganges, sondern auch als ein Urteil zu ihrer eigenen Rolle als Gestalter ihrer eigenen Bildungs- und Berufsbiografie verstehen. Dementsprechend neigen sie zu positiven Nutzenurteilen unter Vernachlässigung des tatsächlichen Werdegangs im Anschluss an die Ausbildung.

Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 36 (1), 2010, 161-185

Schweizerische Zeitschrift für Soziologie

Revue suisse de sociologie

Swiss Journal of Sociology

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